Hinter den Kulissen von Traumatica mit Bill McCoy
Was geht in jemandem vor, der sich eure schlimmsten Albträume ausdenkt? Für Bill McCoy, Creative Director und Leiter des Make-up-Teams von Traumatica, kann die Inspiration überall lauern: in einem Treppenhaus, in einem Gespräch oder in einem unerwarteten Schreckmoment. Zur Jubiläumssaison 2026, die zwanzig Jahre Horror in Rust und zehn Jahre Traumatica feiert, gibt uns der begeisterte Amerikaner Einblicke in seine Welt. Von seinen Anfängen an der Seite von Marc Terenzi bis zur Entwicklung neuer schauriger Angebote: Wir treffen einen der Menschen, die der Angst Leben einhauchen.
Eine Leidenschaft quer über den Atlantik
Lange bevor Bill McCoy in Deutschland Monster erschuf, ließ er sie bereits in den USA entstehen. Mit gerade einmal 14 Jahren baute er sein erstes Horrorhaus. „Das ist mein Leben, meine Leidenschaft“, sagt er. Diese Leidenschaft führte ihn unter anderem ins Skull Kingdom, eine Horrorattraktion in Orlando, wo er als Maskenbildner arbeitete. Zu den Darstellern, die dort auf seinem Schminkstuhl Platz nahmen, gehörte auch ein gewisser Marc Terenzi.
An diese Zeit erinnert sich Bill mit einem Schmunzeln: Marc kam regelmäßig zu spät, sodass sein Make-up im Eiltempo entstehen musste. Dann trennen sich ihre Wege. Dreizehn Jahre später arbeitete Bill gerade bei einem Filmdreh, als ihm ein ehemaliger Kollege eine Telefonnummer zusteckt: Marc möchte ihn sprechen. Am anderen Ende der Leitung wartete ein überraschendes Angebot. Es ging darum, ein Halloween-Event in Deutschland auf die Beine zu stellen. Bill ist zunächst skeptisch. Inzwischen arbeitet er in der Filmbranche und hat eigentlich nicht vor, zu den Horrorhäusern zurückzukehren. Doch eine von Michael Mack organisierte Reise gibt ihm die Gelegenheit, das Projekt kennenzulernen. „Ich bin hergekommen, um mir das anzusehen … und seit zwanzig Jahren komme ich immer wieder“, erzählt er heute.
Anfangs war Bill für das Make-up zuständig. Nach und nach brachte er eigene Ideen ein, übernahm die Gestaltung eines der ersten Häuser und prägte schließlich die kreative Entwicklung des Events immer stärker. Heute lebt er in der Nähe von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Die Arbeit an Traumatica begleitet ihn das ganze Jahr.

Aus einem einzigen Schreckmoment kann eine ganze Attraktion entstehen
Wie entsteht ein Horrorhaus, das euch das Fürchten lehrt? Für Bill gibt es dafür kein festes Rezept. Manchmal beginnt alles mit einer Szene, einem Bild oder einem Effekt, von dem er weiß, dass er eine besonders starke Reaktion auslösen könnte. Anschließend gilt es, eine Geschichte darum zu entwickeln: Warum seid ihr an diesem Ort? Was ist zuvor geschehen? Und was erwartet euch als Nächstes?
„Manchmal entsteht ein ganzes Horrorhaus rund um einen einzigen Schreckmoment“, erklärt er. Ähnlich wie ein Autor, der zunächst eine bestimmte Szene vor Augen hat und erst danach die übrige Geschichte schreibt, denkt Bill in verschiedene Richtungen, verknüpft einzelne Sequenzen und füllt nach und nach die Lücken.
So liegt einer der Ursprünge von Dark Remains, einer der Neuheiten 2026, an einem eher ungewöhnlichen Ort: in Bills eigenem Zuhause. Dort hat er ein Treppengeländer in eine menschliche Wirbelsäule verwandelt. Beim täglichen Anblick fragte er sich irgendwann, wie wohl ein ganzes Haus in diesem Stil aussehen würde. Das Bild ließ ihn nicht mehr los und floß schließlich in die Gestaltung der Attraktion ein.
Zu dieser visuellen Inspiration kam die Frage: „Was wäre der schlimmste Ort, an dem man sich aufhalten könnte, wenn die Toten wieder zum Leben erwachen?“ Seine Antwort: die Katakomben. Gemeinsam mit Kate, die ihn beim Make-up und bei der Konzeption der Attraktionen unterstützt, entwickelt er die Idee einer heimlichen Führung, bei der die Gefahr nicht nur von dem ausgeht, was unter der Erde ruht. So wird aus einem einfachen Abstieg ins Dunkel ein Erlebnis, bei dem euch schnell ganz anders zumute werden dürfte …

Ein Grund, den Albtraum zu betreten
Eine beeindruckende Kulisse allein reicht Bill nicht aus. Ihr braucht einen Grund, durch die Tür zu gehen. In The Hill macht ihr euch auf die Suche nach verschwundenen Kindern. In Studio-13 kommt ihr zu einem Vorsprechen. Diese Motivation schafft die erste Verbindung zwischen euch und der Geschichte, in die ihr gleich eintaucht.
Bill liefert die Ideen, Szenen und Elemente, die ihm besonders am Herzen liegen. Anschließend ordnet das Traumatica-Team diese Bausteine, entwickelt die erzählerischen Verbindungen und fügt alles zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Jedes Maze braucht eine Geschichte, die für sich funktioniert und zugleich ihren Platz in der Welt von Traumatica findet.
Mit Day 1 führt die Saison 2026 zurück an den Anfang der Apokalypse. Für Bill eröffnet dieser Blick in die Vergangenheit neue Möglichkeiten: Er kann erzählen, wie die Welt entstanden ist, die langjährige Besucher bereits kennen, und die Ursprünge ihrer Figuren erkunden. Einige Hinweise darauf sind schon jetzt in den Erlebnissen versteckt und warten darauf, von besonders aufmerksamen Gästen entdeckt zu werden.
Dabei unterscheidet Bill mehrere Erzählebenen: Zunächst gibt es eine Geschichte, die sich unmittelbar erschließt. Dahinter liegen die Beweggründe der Figuren und schließlich ein ganzes Netz von Verbindungen, denen Fans nachspüren können. So erlebt ihr euren Abend ganz nach euren Vorlieben: Ihr könnt euch einfach dem Nervenkitzel hingeben oder versuchen, die einzelnen Hinweise zusammenzusetzen. Und Bill hat fest vor, diese Welt weiter auszubauen: „Traumatica wird bis ans Ende aller Zeiten Traumatica bleiben“, versichert er.

Ein Jahr Arbeit für wenige Sekunden Angst
Während ihr das Ergebnis im Herbst erlebt, beginnt die kreative Arbeit schon viel früher. Kaum sind die ersten Abende vorbei, denkt Bill bereits über das nächste Jahr nach.
Solange das vorherige Event läuft, bleiben noch verschiedene Richtungen offen. Nach dem Ende müssen Entscheidungen fallen: Welche Attraktionen werden umgestaltet? Welche Geschichten werden weitererzählt? Und welche Ideen bleiben vorerst in der Schublade? Bis Januar müssen die Konzepte ausgearbeitet sein. Danach folgen die Abstimmungen zu Budgets und technischer Umsetzung.
Jetzt kommen die zahlreichen Teams ins Spiel, die das Projekt Wirklichkeit werden lassen. Bau, Technik, Media und Betrieb bringen ihre Perspektiven und die Anforderungen ihres jeweiligen Bereichs ein. Alle verbindet dabei der Wunsch, Traumatica weiterzuentwickeln. Schließlich muss sich jede Idee auch an einem realen Ort umsetzen lassen, mit seinen räumlichen Gegebenheiten, seiner Ausstattung und seinen Sicherheitsanforderungen.
Die Bauarbeiten finden in der Regel von Juni bis September statt. Kurz vor der Eröffnung legen Bill und sein Team noch einmal Hand an: Hier fehlt Patina, dort ein Requisit, an anderer Stelle soll ein Kulissenelement noch überzeugender wirken. Danach werden die Maskenteile und Make-ups vorbereitet. Was wenige Monate zuvor nur als Zeichnung oder Szene in der Vorstellung existierte, erwacht endlich zum Leben.

Hinter jedem Monster stehen Künstler
Zu Beginn lag das gesamte Make-up in den Händen von nur zwei Menschen: Bill und seiner damaligen Partnerin. Heute erzählt er stolz von einem internationalen, achtköpfigen Team, das in vier Stunden weit mehr als zweihundert Make-ups umsetzen kann.
Trotz dieses beeindruckenden Tempos legt er großen Wert auf die künstlerische Freiheit jedes Einzelnen. „Ich stelle keine Kopierer ein. Ich stelle Künstler ein“, betont er. Die Maskenbildner kennen die Geschichten, die Figuren und deren Rolle innerhalb des Events. Auf dieser Grundlage entwickeln sie ihre Kreationen gemeinsam mit den Darstellern. Nach und nach finden die Kreaturen so zu ihrer eigenen Identität.
Gerade in den ersten Wochen werden die Gesichter weiter ausgearbeitet und einzelne Details angepasst. Für Bill trägt dieser Prozess dazu bei, Figuren entstehen zu lassen, zu denen die Besucher eine Verbindung aufbauen. Denn nicht alles lässt sich auf dem Papier planen: Manchmal gewinnt eine Kreatur eine Bedeutung, mit der zuvor niemand gerechnet hätte.

Die Darsteller machen jeden Abend einzigartig
Sobald das Make-up sitzt, beziehen die Monster ihre Plätze in den Attraktionen. Auch hier ist es Bill wichtig, Raum für eigene Interpretationen zu lassen. Für jede Szene gibt es klare Absichten und gezielte Effekte. Gleichzeitig haben die Darsteller aber auch die Freiheit, auf euch zu reagieren und ihre Figur mit Leben zu füllen. Jemanden zu erschrecken, dauert nur einen Augenblick. Danach weiterhin bedrohlich zu wirken, verlangt schauspielerisches Können, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, sich auf die Situation einzustellen.
Genau dieser menschliche Faktor sorgt dafür, dass ihr dieselbe Maze nur wenige Minuten später noch einmal ganz anders erleben könnt. Damit die Angst ihre Wirkung entfaltet, muss alles zusammenspielen: Licht, Geräusche, Gerüche, Oberflächen, Kulissen und das Spiel der Darsteller. Bill sucht diesen kurzen Moment, in dem ihr euch so sehr auf das Geschehen einlasst, dass ihr alles um euch herum vergesst. Auf den Schreck folgen Erleichterung und manchmal auch ein Lachen. Genau diese Abfolge von Gefühlen fasziniert ihn.
Beobachten, was euch bewegt
Doch wie beurteilt man ein Horrorhaus, wenn man jeden Winkel kennt? Bill hat dafür einen treffenden Vergleich: „Ich bin wie ein Koch, der sein eigenes Essen nicht probieren kann.“ Weil er sämtliche Effekte und Verstecke kennt, kann er seine Kreationen nicht mehr so erleben wie ein Besucher.
Deshalb spricht er gelegentlich Gäste am Ende der Warteschlange an und lädt sie ein, ihm zu folgen. Er begleitet sie durch eine oder mehrere Attraktionen, beobachtet ihre Reaktionen und unterhält sich anschließend mit ihnen. Dabei interessiert ihn ihr Lieblingsmoment genauso wie das, was ihnen weniger gut gefallen hat. Diese Rückmeldungen helfen ihm zu erkennen, was funktioniert und wo noch nachgebessert werden sollte.

Die Feinarbeit geht während der gesamten Saison weiter. Eine Beleuchtung wird angepasst, ein Detail ergänzt oder eine Szene weiterentwickelt: Das Erlebnis bleibt in Bewegung. Für die kommenden Jahre hält Bill außerdem zahlreiche Ideen in einem dicken, handgeschriebenen Notizbuch fest. Darin stöbert er regelmäßig, um bestehende Horrorattraktionen zu erweitern oder neue zu erfinden.
Was als einfacher Besuch in Deutschland gedacht war, ist so zu dem Projekt geworden, in das er seine ganze Kreativität steckt. Schon als Kind wollte Bill Monster erschaffen. Zwanzig Jahre nach seinen ersten Schritten in Rust denkt er sich noch immer neue aus. An seiner Seite stehen Teams, die ihnen Gestalt geben, und Besucher, die ihnen einen Grund geben, zum Leben zu erwachen.
Wenn ihr noch weiter hinter die Kulissen blicken möchtet, entdeckt die Serie „The Traumatica Story“ auf VEEJOY. Auch unser Blogbeitrag, in dem wir Projektleiterin Ines Roux begleitet haben, bietet euch spannende Einblicke in das Event. Und haltet bei eurem nächsten Besuch von Traumatica die Augen offen: Hinter jeder Kreatur und jedem Detail könnte bereits die Idee für einen neuen Albtraum stecken. Noch könnt ihr euch eure Tickets sichern!
de
fr