Wie seetauglich sind die „Piraten in Batavia“?

Nicht nur bei einer rasanten Achterbahn sind strenge Sicherheitsprüfungen notwendig, auch bei den „Piraten in Batavia“ steht vor der Eröffnung zunächst eine intensive Begutachtung aller technischen Aspekte an. Denn im Europa-Park gilt: Die Sicherheit der Besucher hat oberste Priorität. Damit die Gäste wieder sicher in See stechen können, hat der TÜV Süd die Anlage in der Woche vor der Eröffnung auf ihre Seetauglichkeit geprüft. Wir waren dabei, als Christian Falk vom TÜV Süd Messungen an und in den Booten, sowie in den Kanälen der Attraktion durchführte und dazu fünf Tage die schönen Kulissen dieses Klassikers durchfahren durfte.

 

Noch stehen in den Kulissen überall Baugerüste und das grelle Arbeitslicht hilft den TÜV-Prüfern beim Check der Sicherheitseinrichtungen.
Bei der Abnahme durch den TÜV stehen in den Kulissen noch Baugerüste und das grelle Arbeitslicht hilft den Prüfern beim Check der Sicherheitseinrichtungen.

 

Der nötige Abstand – Messungen an der Attraktion
Um möglichst tief in die Welten der indonesischen Hafenstadt abtauchen zu können, ragen die Fassaden und Dekoelemente oft sehr nah an die Boote der neuen Attraktion. Macht dies einerseits die Atmosphäre noch authentischer, muss hier andererseits auf der ganzen Strecke geschaut werden, dass das Lichtraumprofil eingehalten wird. Das Lichtraumprofil beschreibt eben den Raum, der durch das Boot mitsamt der Gäste und potenziell ausgestreckter Arme in jedem Abschnitt der Bahn eingenommen wird. Die Gäste sollen sich schließlich nicht an den Fassaden verletzen können, ebenso wenig sollen die aufwändigen Kulissen versehentlich beschädigt werden. Dazu wird das Boot ganz langsam durch die Anlage geschoben, während TÜV-Prüfer Christian Falk vom Boot aus die Abstände zur Kulisse manuell mit Zollstock misst. Diese händische Arbeit ist notwendig, da die verschiedenen Szenen der Attraktion immer andere räumliche Dimensionen aufweisen und individuell gestaltet sind, erklärt uns Falk.

Der TÜV-Prüfer Christian Falk misst die Abstände zu den Dekorationselementen mit seinem Zollstock manuell.
Der TÜV-Prüfer Christian Falk misst die Abstände zu den Dekorationselementen mit seinem Zollstock manuell.

 

1.800 Personen pro Stunde und 16 Fahrgäste pro Boot sollen werden mit der wiedereröffneten Bootsfahrt „Piraten in Batavia“ sicher durch die atemberaubenden Szenen des Klassikers schippern können. Dafür bedarf es intensiver Sicherheitsprüfungen, die einerseits vom hauseigenen Hersteller der Anlage Mack Rides und eine Woche vor der Eröffnung vom TÜV Süd durchgeführt wurden. Der TÜV führt neben der jährlichen Prüfungen aller Attraktionen auch stets die Erstabnahmen neuer Fahrgeschäfte durch. Christian Falk ist zuständig für den Sicherheitscheck der wiederauferstandenen „Piraten in Batavia“.

Eine Attraktion für die ganze Familie – aber sicher!
Bei den 18 Booten schaut der Spezialist für Fahrgeschäfte jetzt genau, wie sie sich bei der kleinen Abschussfahrt verhalten. Beschleunigungsmessungen würden bei einer Bootsfahrt wie dieser nicht unbedingt durchgeführt werden, doch befindet sich in der Strecke eben dieser kleine Drop. Außerdem wurde das Boot bewusst ohne Haltebügel angefertigt. Eine Kombination, die eine genaue Prüfung der Fahrgastbeschleunigungen notwendig macht. Bei der Abfahrt könnten die Gäste nicht nur nass werden, sie bremst das Boot auch ab. Daher muss der TÜV überprüfen, wie sich die Bremskräfte auf die Fahrgäste aller Altersklassen auswirken. Es wird also geschaut, ob sich der Bremsweg tatsächlich nur so minimal auf die Fahrgäste auswirkt, dass eine sichere Fahrt ohne Bügel gewährleistet ist. Schnell steht fest, diesem Highlight der Attraktion steht nichts im Weg!
Im Boot sorgen die massiven Sitzbänke aus Eichenholz für ein echtes Seeräuber-Feeling. Das Holz trägt als authentisches Thematisierungselement in den Booten natürlich zur echten Piratenatmosphäre bei, könnte jedoch auch Splitter aufweisen, weshalb auch hier die glatte Beschaffenheit der Sitzbänke nochmals überprüft wurde. Ebenso wird im Boot geschaut, ob es genügend Möglichkeiten zum Festhalten gibt – gerade für die kleinsten Fahrgäste sehr wichtig.

Stimmen die Maße bei den Sitzbänken? Christian Falk überprüft die Bänke aus echtem Holz aber nicht nur auf ihre Höhe, sondern auch auf eventuelle raue Oberflächen und Splitter, sowie Möglichkeiten zum Festhalten.
Stimmen die Maße bei den Sitzbänken? Christian Falk überprüft die Bänke aus echtem Holz aber nicht nur auf ihre Höhe, sondern auch auf eventuelle raue Oberflächen und Splitter, sowie Möglichkeiten zum Festhalten.

 

Bitte nicht so nass!
Ebenso werden die Abstände der Bänke und die Bordwandhöhen der Boote gemessen. Die exakte Höhe wurde natürlich schon bei der Planung festgelegt, doch das Wasser spritzte bei den ersten Testfahrten noch reichlich ins Boot. „Es gibt auch hier eine genormte Höhe, damit die Kleinsten mit der Attraktion fahren können“, gibt uns Falk zu bedenken. Die Gäste sollen bei der kleinen Abschussfahrt in der Attraktion nicht zu sehr nass werden, doch wie reguliert man den Nässegrad?
„Mit einem besonderen Spritzschutz“, erklärt uns Patrick Marx, Ingenieur und Head of New Development & Masterplanning der Innovationsabteilung MackNeXT des Europa-Park. Dieser Stahlbau ermöglicht es, das Wasser gezielt umzuleiten, sodass es gegen die Bordwand oder zur Seite spritzt. Zwei Tage lang wurde daran gearbeitet, das zu vermeiden, was bei Attraktionen wie der „Tiroler Wildwasserbahn“ oder der Wasserachterbahn „Atlantica SuperSplash“ sonst immer gewünscht ist: Nass werden.

Der Brand in der ursprünglichen Attraktion 2018 sorgte letztendlich auch für eine Anpassung der Sicherheitsvorkehrungen insgesamt. „Die Anlagen sind prinzipiell ähnlich, jedoch wird nun noch deutlich mehr überwacht, sodass Unregelmäßigkeiten viel schneller erkannt werden“, erklärt uns Patrick Marx. „Zudem wurden alle Teile der Anlage nach neustem Stand der Technik entworfen und ausgelegt.“ In den vergangenen zwei Jahren wurde dazu eine neue 3.800 Quadratmeter große Halle erbaut, die über die modernste Haustechnik wie Lüftungs- und Sprinkleranlagen, sowie vor allem modernsten Brandschutz verfügt. Für die Abnahme dieser Sicherheitseinrichtungen wurden mehrere Wochen benötigt – in weiteren fünf Tagen konnte dann die Abnahme der Attraktion selbst erfolgen.

Der Aufwand hat sich gelohnt, denn die Gäste erwartet ein spannendes und absolut sicheres Bootsfahrtabenteuer mit den „Piraten in Batavia“!