Doktor Achterbahn: Tschüss, Nierensteine!

Coaster fahren auf Rezept: Das wär’s doch! Aber so unglaublich, wie es klingt, ist es gar nicht. Zwei Ärzte aus den USA haben eine spannende Entdeckung gemacht und wurden dafür am 13. September 2018 mit dem „Ig-Nobelpreis“ für Medizin in Harvard, USA, ausgezeichnet. Dieser Preis wird verliehen für Forschungen, die Menschen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen.  

Veranstaltung mit Kult-Status

Zum 28. Mal fanden im noblen „Sanders Theatre“ der Harvard Universität in Cambridge, USA, die „Ig-Nobelpreise“ statt. „Ig-Nobel“ ist ein Wortspiel: „Ignoble“ bedeutet so viel wie „unedel“. Der Preis versteht sich als scherzhafte Auszeichnung für Forschungen, die einen humoristischen Aspekt haben und ist eine Parodie der großen Nobelpreise. Überreicht werden die lustigen Trophäen von echten Nobelpreisträgern. Langeweile hat hier nichts verloren: Die Verleihung begann mit einem gemeinsamen Papierfliegerwerfen.

Achterbahnfahren: therapeutisch wirksam

Bitte einsteigen und einmal ordentlich durchrütteln lassen: Coaster fahren hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit. David Wartinger von der Michigan State University College of Osteopathic Medicine in East Lansing und Marc Mitchell von der Doctors Clinic in Poulsbo, Washington, haben untersucht, ob Nierensteine verschwinden, wenn man Achterbahn fährt. Patienten hatten geschildert, dass die Fahrt auf einem Coaster ihre Leiden mit den Nierensteinen gelindert habe.

David Wartinger berichtet: „Mein Patient fuhr mit seiner Familie in den Frühlingsferien in einen Freizeitpark. Er fuhr mit einer Achterbahn. Zwei Minuten später schied er einen Nierenstein aus. Er war so überzeugt, dass das an der Achterbahn lag, und fuhr noch mal. Zwei Minuten danach gebar er Nierenstein Nummer zwei.“

Der Forschergeist brachte die Ärzte auf den Coaster

Das machte die Forscher neugierig. Also machten sie sich auf in den Freizeitpark in Florida: Im Gepäck hatten sie drei künstliche Nieren aus Silikon, gefüllt mit Urin und Nierensteinen verschiedener Größen. Diese waren genau an den Stellen angebracht, an denen die Quälgeister normalerweise sitzen. So ausgestattet, fuhren Wartinger und Mitchell 20-mal mit einer der rasantesten Achterbahnen vor Ort. Sie ist einer alten Eisenbahn nachempfunden und bietet enge Kurven sowie steile Abfahrten.

Die Wirkung war im hintersten Wagen am stärksten

Und, siehe da: Bei zwei Dritteln der Fahrten lösten sich tatsächlich einige Nierensteine und rutschten in die simulierten Harnleiter. Die Schlussfolgerung: Es sind wahrscheinlich die schnellen Richtungswechsel und Erschütterungen, die dabei helfen, die Nierensteine zu beseitigen. Besonders empfehlenswert sei es, im hintersten Wagen Platz zu nehmen, so die Wissenschaftler, weil dort höhere Kräfte auftreten.

Kleine Steine verschwinden eher

Wer kleine Nierensteine habe, für den könnte sich der Besuch im Vergnügungspark laut Meinung der Forscher also lohnen. Menschen mit einem großen Nierenstein ab sechs Millimetern hätten allerdings kaum Chancen darauf, diesen bei einer Coaster-Fahrt zu verlieren. Sie sollten vor der Fahrt mit einer Achterbahn ihren Arzt fragen.

 

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